Einleitende Hinweise

Ein paar Hinweise vorne weg:
 
An einem großen und ausladenden Baum, einer prächtigen Allee oder einer eingewachsenen Parkanlage erfreut sich wohl so mancher Betrachter und hat in der Regel den Wunsch, solche Naturdenkmäler längstmöglich und in gesundem Zustand zu erhalten.
 
Probleme treten meist dann auf, wenn Bäume aufgrund ihres unermüdlichen Wachstums den räumlichen Rahmen eines Grundstücks bzw. gegebenen Standortes sprengen oder brüchig werden und somit eine gewisse Einschränkung und Gefahr für ihre Umgebung darstellen.

Abhilfe kann hier die Baumpflege schaffen, indem rechtzeitig fachgerechte Schnittmaßnahmen an der Krone getätigt werden.
 
Oftmals werden aufgrund mangelnden Fachwissens und/oder unzureichender Arbeitstechniken/Ausrüstung Bäume radikal gekappt. Das Ziel der räumlichen Reduktion ist zwar damit kurzfristig erfüllt, mittel- bis langfristig wirken solche Maßnahmen allerdings baumzerstörend – ganz abgesehen von dem unschönen Anblick einer „geköpften Krone“.
 
Die folgenden Hinweise seien daher zur qualifizierten Baumpflege und den fachgerecht durchgeführten Maßnahmen am Lebewesen Baum gegeben und sollen zu einem besseren Verständnis des Begriffs und der Profession „Baumpflege“ beitragen:
 

  • Schnittmaßnahmen in der Krone dienen der Entwicklung, dem Aufbau und der Erhaltung von gesunden und verkehrssicheren Bäumen.
  • Bäume sind Lebewesen, denen wir durch den Schnitt Verletzungen zuführen, auf die sie reagieren. Die Reaktion ist umso massiver, je stärker der vorherige Eingriff war. So wie wir Menschen das Schneiden von Fingernägeln relativ gut verkraften - es sogar der Körperpflege dient,  vertragen auch Bäume einen fachgerechten Kronenschnitt ohne Schaden zu nehmen.
  • Wird jedoch zu stark geschnitten, sind Negativauswirkungen die Folge. Ein zu starker Schnitt bedeutet, dass zu viele (mehr als 25% der Blattmasse) und/oder Äste mit zu starkem Durchmesser (> 10 cm) entfernt werden.
  • Dies führt dazu, dass der Baum aufgrund der fehlenden Blattgrünmasse nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Photosynthese zu betreiben und somit in Versorgungsschwierigkeiten gerät. Oder aber er kann die Wunde, die ihm in Form einer zu großen Schnittstelle zugefügt wurde, nicht oder nicht ausreichend schnell verschließen, so dass sich Pilze oder Insekten ansiedeln. Die Entstehung von Fäulnisherden ist vorprogrammiert.
  • Art und Umfang dieser Negativfolgen auf zu starkes Schneiden sind baumartenabhängig und treten in der Regel nicht unmittelbar auf, sondern zeitlich verzögert. Aus diesem Grund überschätzt der unerfahrene Beobachter oftmals die „unerschöpfliche Kraft" der Bäume und wundert sich, wenn der Baum nach einiger Zeit erste Anzeichen von Krankheit und Verfall aufweist. Bäume sind sensible Lebewesen, mit denen es, will man sie erhalten, vorsichtig und kompetent umzugehen gilt.